Mikrokosmos der Cymbal Grooves

Viele kleine Geheimnisse wirken wie unfassbare Momente in der Faszination eines Drummers. Ralf Gustke zählt zu den aussagekräftigsten Schlagzeugern dieser Zeit, ein Musiker, der nach überraschenden Anfängen als Sideman von Wolf Maahn und Gianna Nannini eine steile Karriere hinlegte, die momentan vielleicht nur als "Zwischenspiel" im Umfeld der 3P Pelham Power ProDuctions gipfelt. Die German Black Music Szene im Umfeld von Glashaus, Sabrina Setlur oder Xavier Naidoo markiert eine bedeutende Weiterentwicklung Deutscher Musikkultur. Als rhythmische Säule zählt Ralf Gustke hier zu den potentiellen Kräften, zumal die von modern Beats geprägte Ambience ihm wie auf den Leib geschrieben ist. Niemand anders transportiert die neue Kultur der Young Generation Music mit derart kreativen Sounds. Dabei scheint ein Mikrokosmos verwobener Hi-Hat und Cymbal-Grooves zu seinem unverwechselbaren Markenzeichen geworden zu sein. Sticks traf den Drummer während der Xavier Naidoo Tour in Köln zu einem Gespräch über die Welten des Schlagzeugerlebens.

 


Welche Eigenarten können im Unterbewusstsein schlummern, dass Menschen den Beruf des Künstlers wählen? Sind es Menschen mit einem besonderen Naturell für sinnliche Wahrnehmung? Oder sind Kindheitserlebnisse ein Auslöser dafür, aus der Normalität auszubrechen, vielleicht Aufmerksamkeit zu erregen? Viele Künstlerbiographien liefern ja einen Beweis dafür und zeigen gerade hier interessante Parallelen.


Mir ging’s nicht um das Ausbrechen aus bürgerlichen Strukturen. Ich wollte einfach nur Musik machen und austesten, wie das so ist; gar nicht mit dem Nimbus des großen Künstlerdaseins. Meine Mutter war viel außer Haus und arbeitete. Mein Vater starb als ich 6 war. Ich hab einfach sehr viel Zeit mit Musikhören zugebracht, was sich dann in den Wunsch verwandelte, es selber zu versuchen. Man erzählt sich die Geschichte, dass ich als Junge draußen in der Straße auf Mülltonnen rumgedroschen hätte, worauf in der gesamten Nachbarschaft die Rollläden runterknallten. Eigentlich war ich eher ein ganz ruhiger Typ, aber in dem Fall wollte ich wohl Aufmerksamkeit erregen.

Etwa 15 Jahre zurückliegend gibt’s einen Punkt in deiner Karriere, an dem du eine Menge Energie gebündelt hast, um als Drummer in Deutschland bekannt zu werden. Ich spreche von deinem Auftritt 1986 beim Drummer Meeting in Koblenz.

Da wollte ich einfach wissen, wie weit ich bin, meinen Standpunkt ausloten. Richtig angefangen Schlagzeug zu spielen habe ich mit 16, nachdem ich meine ersten Erlebnisse bei einem Fanfarenzug hinter mir hatte. Dann war ich 2 Jahre bei einem Lehrer, der gab mir Bücher, die ich regelrecht verschlungen hab. Ein Drummer, der mich damals immens beeinflusste, war Jan Fride, der Trommler von Kraan. Der hat gegroovt wie Sau! Und dann las ich von dem Drummer Meeting und wollte unbedingt dabei sein.

War dieser Tag rückblickend ein Schlüsselerlebnis?

Wenn du da hinkommst als völlig unerfahrener 18jähriger und siehst Gerry Brown und all die anderen, dann ist das wie die Begegnung mit der großen weiten Welt des Trommelns. Das erste Schlüsselerlebnis, überhaupt Schlagzeug zu spielen, war die Tonbandmaschine meines Bruders. Er hatte so ein Grundig-Teil und auf dem Band waren die Compilation „That’s Soul", John McLaughlin, Status Quo und ein Sparkassen-Sampler drauf, mit „Venus" und auch Deep-Purple-Titeln. Außerdem hab ich immer schön den Ami-Sender AFN gehört.

Bereits im Jahr nach deinem Auftritt beim Drummer Meeting bekamst du Angebote von Lydie Auvrey und Wolf Maahn. Das ging ja verdammt schnell.

Mit Lydie Auvrey hatte ich meinen ersten Profijob und spielte auch die erste richtige Tournee. Die Empfehlung kam von Ringo Hirt, damals auch ein Schlagzeuger aus Heidelberg. Das war noch die Zeit, als ich Zivildienst machte. Ich hab an Musik alles ausprobiert, auch ganz extreme und komische Sachen wie zum Beispiel eine Band mit zwei Bassisten, zwei Schlagzeugern und zwei Saxophonisten. Wir nannten uns die Komatzu Baumaschinen GmbH und spielten ganz krankes Thelonious-Monk-Zeug. Dann war ich in einer „Neuen Deutsche Welle"-Band namens Pink & Pur, tja, und irgendwann waren’s sieben Bands mit denen ich unterwegs war, plus noch Putzen gehen bei der AWO. Das Ding mit Wolf Maahn war eigentlich, dass Armin Rühl dort spielte, wegen seiner neuen Grönemeyer-Connection aber keine Zeit mehr hatte und mich empfahl ...

... Groove heißt für mich eine bestimmte Schwingung zu einem Rhythmus-Pattern zu erzeugen. Wenn du zehn verschiedene Drummer ein und das selbe Rhythmus-Pattern spielen lässt, dann wird jeder ein anderes Feel hineinlegen. Und da beginnt für mich Groove, es ist eine Welle auf die ich mich begebe. Groove entwickelt sich auch durch die Verschiebung von Events in der Mikrotime. Und der souveräne Umgang mit diesem Stilmittel ist für mich das allergeilste ...

... woher nimmst du die Motivation?

Wenn ich Grooves spiele, sei es am Drum-Set oder mit Percussion, mit Elektronik oder in irgend einer anderen Form, dann versetze ich mich in einen Zustand, der die Zeit stillstehen lässt. Dieses Gefühl ist eine Art Schwerelosigkeit oder auch eine Art von Meditation.

Perspektiven?

Hab ich immer! Positiv denken. Ich bin froh, dass ich das machen darf, was ich kann.
Das Leben hier ist zwar kurz, aber es gibt ja noch ein paar ...

Interview und Fotos: Tom Schäfer

Das vollständige Interview lesen Sie in der STICKS-Ausgabe 12.2002; erhältlich ab dem 25. 11. 2002 im Zeitschriftenhandel und in guten Musikfachgeschäften.

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Das gesamte Interview, das Tom Schäfer von Sticks mit Ralf Gustke führte, könnt Ihr hier als Pdf-File downloaden.

Interview


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Manolo Badrena:

... aber wo wir gerade davon reden: Wer ist eigentlich dieser Drummer von Xavier Naidoo?
Wow, der spielt einfach fantastisch!

...zum Interview


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